Mit einer Kanal-TV-Inspektion wird sichtbar, in welchem Zustand das Abwasserrohr unter Gebäude und Grundstück ist. Typische Befunde sind Wurzeleinwuchs oder verschobene Muffen. Daneben gibt es die Dichtheitsprüfung als eigenes Verfahren. Bei Häusern in Zwenkau und Umgebung werden zwei Prüfpunkte häufig vergessen: die Hebeanlage und der Rückstauverschluss.
Kanal-TV-Inspektion: Zweck und typische Anlässe
Zahlreiche Grundleitungen liegen seit Jahrzehnten unbesehen im Erdreich. Läuft das Wasser ab, bemerkt niemand ein Problem. Schäden entstehen meist schleichend und zeigen sich erst spät, etwa durch eine Verstopfung, die nach jeder Reinigung zurückkehrt, oder durch Geruch im Keller. Die Kamera-Inspektion zeigt den Zustand des Rohrs ohne Grabungsarbeiten. Danach steht fest, ob Reinigen genügt oder eine Sanierung ansteht.
- Verstopfungen, die immer an derselben Stelle auftreten
- Geplanter Erwerb eines älteren Hauses oder Grundstücks
- Anstehende Sanierung oder ein Anbau
- Bauarbeiten, Baumfällungen oder Bodensetzungen im Garten
- Feuchte Kellerwände oder Abwassergeruch ohne klare Ursache
- Forderung eines Zustandsnachweises durch Gemeinde oder Abwasserzweckverband
Bei älteren Häusern bestehen Grundleitungen häufig aus Steinzeug oder Beton mit Muffenverbindungen. Genau dort kommt es oft zu Verschiebungen und eingewachsenen Wurzeln.
Möglichkeiten und Grenzen der Kamerainspektion
Eine wasserdichte Kamera wird in die Leitung geschoben oder fährt auf einem kleinen Fahrwagen hindurch. Abhängig vom System sind Rohre ab etwa DN 25 bis 50 befahrbar. Ein Streckenzähler erfasst die Position, jeder Befund erhält so eine Meterangabe im Protokoll. Über eine Ortungssonde im Kamerakopf lässt sich die Schadstelle außerdem oberirdisch auf dem Grundstück markieren.
- Risse, Scherben und gebrochene Rohre
- Verschobene oder geöffnete Muffen
- Eingewachsene Wurzeln
- Querschnittsverengung durch Fett, Kalk oder Urinstein
- Senken mit ständig stehendem Wasser
- Fehlanschlüsse und unbekannte Abzweige
Einen sicheren Dichtheitsnachweis liefert die Kamera nicht. Feine Haarrisse oder leicht undichte Muffen sehen im Bild oft aus wie eine harmlose Verfärbung. Zudem muss die Leitung vor der Befahrung frei sein. Bei starken Ablagerungen wird vorher gereinigt, sonst ist auf dem Monitor nur Schmutz zu sehen.
Dichtheitsprüfung: messbarer Nachweis statt Kamerabild
Bei der Dichtheitsprüfung wird ein Leitungsabschnitt mit Absperrblasen verschlossen und dann mit Wasser gefüllt oder mit Luftdruck beaufschlagt. Über eine festgelegte Prüfzeit wird gemessen, ob Wasser oder Druck verloren geht. Verfahren und Grenzwerte ergeben sich aus den einschlägigen Normen, etwa DIN EN 1610 und DIN 1986-30. Das Ergebnis ist eindeutig: bestanden oder nicht bestanden.
Zwei Verfahren, zwei Fragestellungen
Kanal-TV-Inspektion
- Lokalisiert Art und Lage eines Schadens
- Macht Ablagerungen, Wurzeln und Verschiebungen sichtbar
- Dokumentiert per Video und Protokoll mit Meterangaben
- Basis für die Auswahl der Sanierungsmethode
Dichtheitsprüfung
- Klärt, ob die Leitung dicht ist
- Liefert einen Messwert statt einer optischen Einschätzung
- Häufig von Behörden oder bei Abnahmen gefordert
- Geeignet als Nachweis nach einer Sanierung
Ob für Ihr Grundstück eine Pflicht zur Dichtheitsprüfung besteht, regelt in der Regel die örtliche Abwassersatzung. Diese erhalten Sie bei Ihrer Gemeinde oder beim zuständigen Abwasserzweckverband.
Diese Faktoren bestimmen die Kosten
Einen seriösen Festpreis am Telefon kann ohne Kenntnis der Leitung niemand nennen. Wie sich der Preis zusammensetzt, ist aber gut nachvollziehbar. Typische Posten sind:
Kostenfaktoren bei Kamera-Inspektion und Dichtheitsprüfung
| Was den Preis beeinflusst | Wirkung | Woran Sie es erkennen |
|---|---|---|
| Länge und Anzahl der Leitungsstränge | Je mehr Meter und Abzweige, desto mehr Zeit für Befahrung und Auswertung | Entfernung vom Haus zur Straße, Anzahl der Fallrohre und Anschlüsse |
| Zugang zur Leitung | Fehlen Schacht oder Reinigungsöffnung, muss ein Zugang geschaffen werden, zum Beispiel über ein abgebautes WC | Ist im Keller oder Garten ein Schachtdeckel vorhanden? |
| Vorreinigung | Verstopfte oder verkrustete Rohre werden vor der Befahrung gespült | Wasser fließt träge ab, es gab bereits Verstopfungen |
| Rohrdurchmesser und Kameratechnik | Für enge Hausleitungen und große Grundleitungen sind unterschiedliche Kamerasysteme nötig | Leitung im Gebäude oder Hauptleitung zum öffentlichen Kanal |
| Ortung und Protokoll | Lageortung und ein normgerechter Bericht mit Video kosten zusätzliche Auswertungszeit | Benötigen Behörde, Käufer oder Versicherung den Bericht? |
| Zusätzliche Dichtheitsprüfung | Absperren, Befüllen und Prüfzeit bilden einen separaten Arbeitsgang | Satzung, Verkauf oder Abnahme nach Sanierung fordern den Nachweis |
| Termin | Für Einsätze nachts oder am Wochenende wird üblicherweise ein Zuschlag berechnet | Akuter Rückstau oder planbare Untersuchung |
Bei der Besichtigung werden Zugänge, Leitungslänge und Verschmutzungsgrad geprüft.
Für ein belastbares Angebot vorab klären: Ist eine erforderliche Reinigung inklusive oder kostet sie extra? Gehören Video und schriftliches Protokoll dazu? Steht die Dichtheitsprüfung als separater Posten im Angebot? Fragen Sie außerdem, ob nach Metern oder nach Zeitaufwand abgerechnet wird.
Ablauf der Untersuchung
Schritt für Schritt zum Befund
- VorgesprächAnlass, Baujahr und bekannte Probleme kommen zur Sprache. Halten Sie vorhandene Entwässerungspläne bereit und zeigen Sie, wo Schächte und Reinigungsöffnungen liegen.
- Zugang und VorreinigungSchacht oder Reinigungsöffnung wird geöffnet. Liegen Ablagerungen vor, wird die Leitung vorab mit Hochdruck gespült.
- KamerafahrtDie Kamera durchfährt alle relevanten Stränge. Befunde werden mit Meterangabe festgehalten und bei Bedarf von oben geortet.
- Dichtheitsprüfung, falls beauftragtDie Abschnitte werden abgesperrt und mit Wasser oder Luft geprüft.
- AuswertungVideo und Protokoll werden übergeben. Gemeinsam wird geklärt, was dringend ist und was Zeit hat.
Hebeanlage und Rückstausicherung nicht vergessen
Befindet sich der Keller unterhalb der Rückstauebene, kann Abwasser bei Starkregen aus dem öffentlichen Kanal ins Gebäude zurückfließen. Als Rückstauebene gilt meist die Straßenoberkante an der Anschlussstelle. Schutz bieten Rückstauverschluss oder Hebeanlage. Bei einer reinen Kanaluntersuchung bleiben beide oft unbeachtet, obwohl sie den Keller sichern.
Die Pumpe einer Hebeanlage kann die Kamera nicht passieren. Deshalb werden die Leitungen davor und dahinter separat untersucht. Die Anlage selbst wird geöffnet und kontrolliert auf:
- Ablagerungen
- Pumpenfunktion
- Rückflussverhinderer
Beim Rückstauverschluss prüft der Fachmann, ob die Klappen frei beweglich sind und dicht schließen. Fett und Schmutz können sie mit der Zeit blockieren. Auch ein verschmutzter Pumpensumpf kann die Funktion stören.
Nach dem Befund: Reinigung oder Sanierung?
Sind nur Ablagerungen zu sehen, genügt oft eine gründliche Reinigung mit anschließender Kontrollbefahrung. Strukturschäden wie Risse oder offene Muffen erfordern eine Sanierung. Solange das Rohr nicht eingestürzt ist, gelingt das häufig ohne Aufgraben. Beim Inliner- oder Schlauchliner-Verfahren wird ein harzgetränkter Schlauch ins alte Rohr eingezogen und härtet dort aus – es entsteht ein neues Rohr im alten. Einzelne Schäden lassen sich auch gezielt mit Kurzlinern beheben. Eine erneute Kamerafahrt bestätigt danach den korrekten Sitz. Falls erforderlich, folgt die Dichtheitsprüfung als Nachweis.





